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3 R - Tierschutz oder Tiernutz

 

Die Wissenschaftler Bill Russell und Rex Burch haben sich im Jahre 1959 Richtlinien für Tierversuche ausgedacht. Danach sollen sich Tierexperimentatoren bemühen, Tieren möglichst wenig Leiden zuzufügen, möglichst wenige Tiere zu „benutzen“ und Tierversuche durch andere Methoden zu ersetzen. Diese Anforderungen werden als „3 R“, wegen der Anfangsbuchstaben von "Refine", "Reduce" und "Replace“ bezeichnet.

 

 

Die 3 R sollen Tierversuche vermindern. Viele  Forschungslabore arbeiten nach den

3 R. Trotzdem werden immer mehr Tierversuche gemacht. In den letzten vier Jahren ist die Zahl der pro Jahr getöteten Tiere um 500 000 Tiere gestiegen. Da stimmt doch was nicht!

 

Die 3 R sind nach Meinung vieler Tierexperimentatoren der optimale Schutz für Tiere. Andere Tierexperimentatoren halten die 3 R allerdings für übertrieben. Sie alle sind sich aber darin einig, dass Tierversuche gemacht werden sollen. Auch Russell und Burch fanden, dass Tierversuche eine gute Sache sind, dass sie gemacht werden müssen und auch gemacht werden dürfen. Andere Menschen, auch viele Wissenschaftler und Ärzte, halten Tierversuche allerdings für Tierquälerei. Die Tierexperimentatoren selbst sehen das anders. Viele haben zu Hause auch Tiere und bezeichnen sich als tierlieb. Viele finden Tierversuche nicht grausam, wenn man die 3 R beachtet.

 

„Verfeinern“, „vermindern“ und „ersetzen“ hört sich ja auch gut an. Was bedeutet das aber nun genau?

 

Reduce (Vermindern)Refine (Verfeinern)Replace (Ersetzen) Fangen wir mit dem Reduce =  Vermindern an: Wenn Du nur zwischen den zwei Möglichkeiten wählen könntest, entweder 50 Hunde zu vergiften oder 20, was würdest Du tun? Nur 20 vergiften? Es wäre wohl das kleinere Übel. Aber ist es deshalb eine gute Sache, 20 Hunde zu vergiften? Wie wird es den 20 Hunden gehen, die wir sie vergiften? Wer Tiere quält und tötet, behandelt sie grausam und ungerecht, egal ob es sich um 50 oder um 20 Tiere handelt. Niemand zwingt uns, die 20 Hunde zu vergiften. Und warum sollten wir überhaupt Tiere vergiften? Sie sind nicht für unsere Krankheiten verantwortlich und sie greifen uns nicht an. Und wenn Du wissen willst, wie man prima forschen kann, ohne dabei Tiere zu quälen, sieh unter Nützlich oder nutzlos und unter Tierversuchsfrei nach..Nun zum Refine = Verfeinern: Wenn Mäuse im Tierversuch ersticken (z.B. bei Grippeversuchen), dann ist es für die Mäuse natürlich schlimmer, wenn die Tierexperimentatoren die Tiere langsam sterben lassen, als wenn sie sie töten, sobald sie bemerken, dass die Tiere im Sterben liegen. Das frühere Töten, um dem Tier weitere Schmerzen zu ersparen, würde man in diesem Fall als Refine, also Verfeinern, bezeichnen. Aber welche Qualen hat eine Maus erlitten, bis Menschen bemerken, dass sie sterben wird? Die Tierexperimentatoren können die Sprache der Tiere ja nicht verstehen. Das Sterben soll auch nur dann verkürzt werden, wenn es für das Versuchsergebnis unwichtig ist. Wenn es in dem Versuch aber um die Beobachtung der Leiden geht, dann verkürzt niemand die Leidenszeit der Tiere. Hast Du schon einmal Videos gesehen, die heimlich in Tierversuchslaboren gedreht wurden? Vielen Tieren geht es sehr schlecht. Niemand „verfeinert“ ihre Leiden..Kommen wir nun zum Replace = Ersetzen: Ersatzmethoden sind Verfahren, die mit etwas durchgeführt werden, was keine Leiden empfindet. Dieses „Etwas“ können Computer sein, aber auch mathematische Berechnungen und Methoden aus der Physik und der Chemie. Man kann aber auch mit Teilen von Lebewesen forschen. Das können zum Beispiel lebende Zellen von Menschen sein, die bei Operationen übrig geblieben sind. Für das R von "Replace" gilt aber auch als tierversuchsfrei, wenn Forscher Tiere töten, ihnen also zum Beispiel das Genick brechen, und dann mit ihren Körperteilen Versuche machen.

 

Bis eine „Ersatzmethode“ zu Tierversuchen anerkannt wird, wird sie jahrelang durchgeführt, während auch die Tierversuche weiter gemacht werden. Man will dadurch herausfinden, ob bei beiden Methoden das Gleiche herauskommt. Tierversuche selbst hat man allerdings nie auf ihren Nutzen hin überprüft. Es gibt sie schon über 300 Jahre lang und man hat sich einfach an sie gewöhnt.

 

Um es ganz deutlich zu sagen: Immer, wenn die Leiden der Tiere vermindert werden, ist das ein Fortschritt. Aber ist das nicht selbstverständlich? Man sollte davon ausgehen, dass immer möglichst wenig Tiere möglichst wenig zu quälen das Normalste der Welt für einen Wissenschaftler ist. Doch Tierexperimentatoren sehen die 3 R als eine besondere Tierschutzleistung an.

 

Was sollen wir nun über die 3 R denken?

 

 

Die 3R werden auch "Alternativmethoden“ zu

Tierversuchen genannt.

Ich finde, es ist keine "Alternative" 20 Hunde

statt 50 zu quälen.

 

 

 

Sicher weißt Du, dass früher in einigen Ländern schwarze Menschen als „Sklaven“ gehalten und gequält wurden. Das fanden die Leute damals normal. Es gab zwar auch ein paar, die gesagt haben, dass das ungerecht und ein Verbrechen ist, aber das waren zunächst nur wenige. Weil mächtige Leute die „Sklaven“ unbedingt weiterbenutzen wollten, hat es lange gedauert, bis man Sklaverei abgeschafft hat.

 

Wie wäre es, wenn man die Sklaverei nicht abgeschafft, sondern nur „verfeinert“, „vermindert“ und „ersetzt“ hätte? Hätte man also nicht tausende Menschen gequält, sondern nur hunderte, wäre das eine gute Alternative gewesen? Und wäre Sklaverei in Ordnung gewesen, wenn die Menschen nicht jeden Tag, sondern nur jeden zweiten gequält worden wären?

 

Natürlich wäre das ein Fortschritt gegenüber noch mehr Grausamkeit gewesen, aber es hätte die Menschenquälerei nicht beendet. Mit den 3 R ist es genauso und deshalb halten Tierversuchsgegner auch nicht viel davon.

 

                                       

 

Die 3 R sind eine Erfindung derjenigen, die Tierversuche beibehalten wollen. Tierversuchsgegner wollen Tierversuche abschaffen. Die Sklaverei hat man abgeschafft. Natürlich sagten damals diejenigen, die daran verdient hatten, das ginge nicht, weil dann die Wirtschaft zusammenbrechen würde. Wie wir gesehen haben, ist die Wirtschaft nicht zusammen gebrochen.

 

Und hier noch ein Beispiel aus unserer Zeit: Vor ein paar Jahren war im Autobenzin noch Blei. Dann hat man festgestellt, dass das der Umwelt schadet und hat es verboten. Viele Menschen sagten damals „Jetzt werden alle Motoren kaputt gehen.“ Nichts ist passiert. Heute, ein paar Jahre später gibt es nur noch bleifreies Benzin und die Autos fahren weiter. Das ist auch der richtige Weg bei Tierversuchen. Sie müssen zuerst verboten werden. Erst dann werden die Tierexperimentatoren sich Mühe geben, tierversuchsfrei zu forschen.

 

Tierversuchsgegner sind der Ansicht, dass Tierversuche bei Menschen und Tieren großen Schaden anrichten. Sie sind davon überzeugt, dass die Abschaffung der Tierversuche unsere Medizin sehr viel besser machen würde.

 

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Prüfe Dein Wissen:

 

1. Erkläre ganz kurz, was verfeinern, vemindern und ersetzen bei Tierversuchen bedeutet.

 

2. Was wird ein Mensch über Tiere denken, der zum Beispiel Hunden tagsüber bei seiner Arbeit Schmerzen zufügt und zuhause mit seinem eigenen Hund spielt?

 

3. Erkläre kurz, was die Tierexperimentaoren an den 3 R gut finden und warum die Tierversuchsgegner nichts davon halten.

Harry hilft Tieren ist ein Projekt von Ärzte gegen Tierversuche e.V.