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Projektbeispiel

 

Tierversuche als Projektthema an der Emil-Petri-Schule in Arnstadt

 

Beispielhafter Einsatz für leidende Tiere

 

In der Klassenlektüre „Das Vamperl“ hatten die Schülerinnen und Schüler der Klasse 6c von Experimenten an Tieren in der Medizin gelesen. Sie überredeten ihre Religionslehrerin dazu, im Internet recherchieren zu dürfen. Als sie erfuhren, welche Leiden Tieren erst in Wirklichkeit zugefügt werden, waren sie fassungslos. Alle sollten erfahren, was da für Unrecht geschah! Sie begannen an einer Wandzeitung zu arbeiten.

 

Für die Projektwoche im November hatte sich die Klasse auch das Thema Tierversuche vorgenommen. Die Mädchen und Jungen wollten mehr darüber wissen, auch weil Tierversuche gesetzlich erlaubt sind und alle Menschen sie mit bezahlen müssen. Sie stießen auf unsere Jugendseite „Harry hilft Tieren“ und Klassenlehrerin Evelyn Roscher stellte den Kontakt zu einer unserer Tierschutzlehrerinnen her. Ein Schulbesuch kann zumindest ein kleines Gegengewicht zu den Informationen derjenigen sein, die Tierversuche weiter machen wollen, dafür Steuergelder erhalten und sie als harmlos, notwendig und nützlich propagieren.

 

Am 8.November standen dann nicht nur Tierärztin Astrid Reinke, sondern auch der große, schwarz-weiße Hund Bilbo vor der Tür. Im Gepäck hatten beide unter anderem Infomaterial, Aufkleber und Tierschutzbuttons. Die Schülerinnen und Schüler berichteten, was sie bereits in Erfahrung gebracht und noch vor hatten. Die Tierärztin und Pädagogin zeigte in einem Vortrag und mit einigen Filmsequenzen, wie die Tiere im Labor leben, Beispiele für Tierversuche, für tierleidfreie moderne Forschung und vieles mehr. Sie hatte einen Katalog dabei, aus dem Tierexperimentatoren Zubehör für ihre Tierversuche bestellen können. Die Kinder sahen, dass dort Metallgestelle mit Gitterrost als Boden als „Wohlfühlkäfige“ angepriesen wurden. Anhand echter, präparierter Tiere erlebten sie, dass man Tiere nicht extra töten muss, um etwas über sie lernen zu können. Sogar bei der winzigen Maus waren innere Organe, wie Herz, Darm, Leber oder Lunge zu erkennen.

 

„Seit Jahren behaupten Tierexperimentatoren und Politiker Tierversuche reduzieren zu wollen. Stattdessen ist ihre Zahl in den letzten 10 Jahren um mehr als 50 Prozent angestiegen. Meiner Erfahrung nach ist die überwiegende Mehrheit der Menschen entschieden gegen Tierversuche, sobald sie die Wahrheit darüber erfahren. Wir fordern, dass alles über Tierversuche veröffentlicht werden muss, und sind sicher, dass sie daraufhin ganz schnell verboten werden“, erklärt Reinke.

 

Die Kinder konnten mit der Tierärztin alle ihre Fragen besprechen. Und sie wollten dringend etwas gegen Tierversuche unternehmen und meinten: „Wenn man das mit uns Menschen machen würde, würden wir uns beschweren. Wir dürfen keine Sachen mit den Tieren machen, die wir bei uns auch nicht wollen.“ Tierärztin Reinke fügte hinzu: „Tiere fühlen Angst und Schmerz, sorgen sich um ihre Familie, wollen spielen und frei sein, wie wir Menschen auch. Wieso sollten wir wehrlosen Tieren Grausamkeiten antun, die wir selbst auf keinem Fall erleiden wollen. “

 

Sie riet, sich gut zu informieren, sich nicht einschüchtern zu lassen und alles, was man selbst über Tierversuche weiß, anderen Menschen weiter zu erzählen. „Wenn alle wüssten, wie grausam, teuer und gefährlich für Menschen die Tierversuche sind, dann gäbe es längst keine mehr. Aber die Tierexperimentatoren dürfen selbst entscheiden, was sie über ihre Tierversuche bekannt machen und was sie geheim halten. Da können wir uns ausrechnen, was sie uns erzählen werden.“

 

Die Erwachsenen und Bilbo standen den Kindern mit Rat und Tat zur Seite, ließen sie aber selbstständig arbeiten und ihre Erfahrungen machen. Evelyn Roscher veranstaltete ein Pro- und Contra- Streitgespräch zu Tierversuchen, bei dem schwierige Fragen diskutiert wurden. Am Ende urteilte Jaqueline „Tierversuche sind unlogisch, weil die Tiere anders sind als Menschen.“ Michelle findet es fies, dass die Tiere bei Versuchen gequält werden: „Es ist ungerecht und sie können sich nicht wehren!“

 

 

Maja, Max, Jaqueline, Chrissie, Alex, Celina, Lisa, Michi, Juliane, Melanie und Nico erarbeiteten einen eigenen Info-Flyer mit kurzen Texten und Bleistiftzeichnungen, damit er preiswert schwarz-weiß kopiert werden konnte. Auf ihrer Wandzeitung stellten sie Tatsachen, eigene Kommentare wie „man sollte lieber Versuche mit Haut oder anderem menschlichem Gewebe machen. Die Tiere tun mir leid“, und Bilder zu Tierversuchen zusammen. Melanie fand Tierversuche grausam und böse, Max unmenschlich.

 

Sechs Kinder übten ein Rollenspiel, Gerechtigkeit für Tiere, ein. Es wurde bereits mehrfach erfolgreich aufgeführt. In dem Stück geht es darum, sich in die Rolle der Tiere zu versetzen und aus ihrer Sicht über Tierversuche nachzudenken. In der benachbarten Klinik und vor einer Drogerie bauten die Kinder ihren Infostand und die Wandzeitung auf. Lehrerin Berit Noak berichtete von der Reaktion eines Arztes, der sagte: „Ich musste während meiner Ausbildung selbst Tierversuche durchführen. Sie bringen überhaupt nichts. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie nutzlos sie sind!“ In nur viereinhalb Stunden bekamen die jungen Tierfreundinnen und Tierfreunde 420

Unterschriften für die Abschaffung der Tierversuche zusammen. Seither haben sie noch viel mehr gesammelt.

 

Der Erziehungs- und Bildungsauftrag beinhaltet, dass Schülerinnen und Schüler alte Traditionen nicht kritiklos übernehmen sollen. Tierversuche müssen also auch in der Schule hinterfragt werden. Schülerinnen und Schüler sollten wissen, wie Tiere sind und welche Grausamkeiten ihnen zugefügt werden. Außerdem sollten sie Kosten und Schäden von Tierversuche kennen und dass deren Notwendigkeit nie nachgewiesen wurde. „Transparenz ist das Mindeste, was wir in einer Demokratie erwarten dürfen - auch und vor allem in der Schule, die Kinder zu mündigen Bürgern bilden soll“, kommentiert Astrid Reinke.

 

Sie war von der vielschichtigen und engagierten Projektarbeit beeindruckt: „Die Mädchen und Jungen haben sich gründlich informiert, Verantwortung übernommen, vieles eigenständig geregelt und durchgeführt. Wir haben sie darauf vorbereitet, dass Menschen eine andere Meinung haben werden als sie, sie auch Ablehnung erfahren werden. Sie waren konzentriert und ernsthaft bei der Sache, haben Schwierigkeiten überwunden, Widerspruch ausgehalten, Fragen diskutiert, Zivilcourage bewiesen, durchgehalten und weitere Aktivitäten geplant. Toll, diese Kinder! Sie haben ein klares und ausgeprägtes Gefühl für Gerechtigkeit und sich mit ihrer ganzen Persönlichkeit eingesetzt, um den Tieren zu helfen.“ Ausgesprochen positiv aufgefallen ist ihr auch, wie achtsam alle mit Bilbo umgegangen sind. „Ich erlebe nicht immer soviel Rücksicht und Lernbereitschaft in Bezug auf die Bedürfnisse meines vierbeinigen Freundes. Bilbo und ich haben den Besuch in Thüringen sehr genossen.“

 

Evelyn Roscher hat viel Zustimmung der Menschen auf die Ansprache durch die Kinder beobachtet: „Sie haben mehrheitlich positive Reaktionen auf ihr Engagement erfahren. Ich finde es toll, wie die Kinder sich für die Tiere engagieren und würde es schön finden, wenn viel mehr Klassen diese Chance hätten.“

 

Das zusammengefasste Urteil der Kinder: „Es hat total viel Spaß gemacht mit Bilbo und Frau Reinke, und die Unterschriften zu sammeln. Und wir haben viel gelernt. Zum Beispiel, dass nie bewiesen wurde, dass Tierversuche nützen und dass man keine Tiere quälen muss, wenn man Medizin für Menschen finden will.“

 

Über das Engagement der Klasse 6c erschien ein ausführlicher Artikel mit Foto in der Thüringer Allgemeinen. Daraufhin schrieb die Tierschutzbeauftragte der SPD im Thüringer Landtag an die Klasse. Sie möchte auch unterschreiben und hat die Klasse in den Landtag eingeladen.

 

Der Einsatz dieser Schulklasse macht sehr deutlich, dass jeder von uns mit seinen Mitteln etwas bewegen kann. Außerdem wird deutlich, dass der Einsatz für Tiere Freude macht und uns auch selbst bereichern kann. Das Harry hilft Tieren-Team ist begeistert von den Aktionen und wünscht allen Mitwirkenden weiterhin so viel Erfolg und dass sie auch persönlich das erreichen, was ihnen wichtig ist.

 

 

 

 

 

 

 

Harry hilft Tieren ist ein Projekt von Ärzte gegen Tierversuche e.V.