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Schmerzen für Tiere

 

Tierexperimentatoren betonen oft, dass sie sehr tierlieb sind. Sie finden auch Tierversuche gar nicht grausam, denn die Tiere hätten es im Labor oft besser als die, die bei Tierfreunden zu Hause leben, vor allem weil die Käfige im Labor so sauber sind. Sie sagen, sie quälen die Tiere nicht, weil sie ihnen Schmerzmittel geben, wenn ihnen etwas weh tut.

 

Vielleicht bist Du selbst schon einmal operiert worden oder hast einen Unfall erlitten und am eigenen Leibe gespürt, wie sehr schon kleine Verletzungen weh tun können. Tieren im Versuchslabor werden oft nicht nur kleine Verletzungen zugefügt ...

 

Wenn Menschen operiert werden, bekommen Sie danach mehrere Tage Schmerzmittel, die genau auf die Art und Schwere ihrer Schmerzen abgestimmt sind. Einige Wissenschaftler wollten wissen, wie die Tierexperimentatoren mit den Tieren im Labor umgehen, nachdem sie ihnen absichtlich Verletzungen zugefügt haben.

Dazu haben sie sich angesehen, was die Tierexperimentatoren über Schmerzmittel schreiben. Sie haben sich also die Beschreibung von 149 Versuchen mit verschiedenen Tierarten angesehen. In jedem der Versuche ging es wiederum um viele einzelne Tiere.

Den Tieren wurde in die Haut, den Kopf, den Bauch oder in den Brustkorb geschnitten. Tieren erst ihre Knochen zu brechen und sie dann wieder zusammenzuschrauben, sie zu verbrennen oder ihnen fremde Organe einzupflanzen sind Beispiele für Verletzungen, die Tieren im Tierversuch alltäglich zugefügt werden.

 

Die erschreckende Erkenntnis war:

Nur bei ungefähr jedem zweiten Tier und nur bei jeder fünften Ratte, denen schmerzhafte Verletzungen zugefügt wurden, war überhaupt von Schmerzmitteln die Rede.

 

Viele Menschen mögen Ratten nicht. Doch wir wissen heute, dass Ratten ebenso leiden, wie Menschen oder Hunde, denen man in den Körper schneidet. Auch wenn sie nicht in unserer Sprache klagen, leiden sie furchtbar. Darf man jemandem, den man nicht mag, vor dem man sich vielleicht sogar ekelt, verletzen und quälen?

Auch andere Tiere, z.B. Hunde oder Affen, bekommen oft keine Schmerzlinderung.

 

Die Forscher, die die Schmerzbehandlung bei Tierversuchen untersucht haben, fanden heraus, dass die Tierexperimentatoren oft gar nicht schreiben, welches Schmerzmittel ihre Tiere bekommen sollen oder dass sie die Menge nicht nennen. Oder sie nennen irgendeine Menge, die ihnen scheinbar völlig egal ist. So sollten Kaninchen ein Schmerzmedikament in 30-fach unterschiedlicher Menge bekommen.

 

Stell Dir einmal vor, ein Arzt sagt zu Dir: Nimm eine einzige Kopfschmerztablette oder 30 Stück, die Menge ist egal. Wie vertrauenswürdig würdest Du einen solchen Arzt finden? Wenn ein Arzt so verantwortungslos mit Menschen umgeht, kommt er vor Gericht.

 

Tierexperimentatoren sagen, sie wollten mit Tierversuchen etwas über Menschen herausfinden.

Das halten wir zwar für ziemlich dumm, denn um etwas über Menschen herauszufinden, muss man auch Menschen untersuchen. Aber das soll jetzt erst einmal egal sein.

 

Wollen sie also etwas herausfinden, was für Menschen nützlich sein soll, dann müssen sie zumindest bei den Tierversuchen genau so ordentlich sein, wie im Umgang mit Menschen, nicht wahr? Nicht zu sagen, welches Mittel die Tiere bekommen und wie viel davon, finden wir ziemlich »schlampig«. Das ist für uns ein Grund mehr, Tierexperimentatoren nicht zu vertrauen, auch dann nicht, wenn es berühmte Ärzte oder Professoren sind. Ärzte und Professoren sind Menschen, wie alle anderen. Unter ihnen gibt es gute und schlechte, nette und gemeine.

 

 

 

 

Schmerzmittel bedeuten nicht Schmerzlinderung

 

Wenn in einer Tierversuchsbeschreibung Schmerzmittel erwähnt werden, bedeutet das noch lange nicht, dass die Tiere keine Schmerzen erlitten haben. Dafür gibt es eine ganze Reihe von Gründen. Einige wollen wir Dir hier erklären:

 

• Man weiß bei vielen Tieren noch überhaupt nicht, welche Schmerzmittel gut oder schlecht wirken. Und weil die Tiere ja nicht unsere Sprache sprechen, können sie nicht, wie Du im Krankenhaus der Krankenschwester, sagen, ob das Schmerzmittel geholfen hat, oder ob sie ein ganz anderes brauchen.

• Tiere zeigen uns ihre Schmerzen oft nicht. Sie versuchen sie instinktiv zu verbergen. Schwäche zu zeigen wäre in der Natur oft ihr Todesurteil. Und nur weil Mäuse, Ratten oder Hunde im Labor geboren sind, verlieren sie ihre natürlichen und art-typischen Verhaltensweisen noch lange nicht.

• Bei vielen Tieren ist es schwierig Medikamente zu geben. Katzen nehmen zum Beispiel schlecht Tabletten ein. Schmerzmittel vertragen sie außerdem schlecht und man darf Katzen nur ganz wenig davon geben.

• Noch schwieriger wird es, wenn die genaue Menge wichtig ist - wie bei Schmerzmitteln. Stell Dir einmal vor, ein Tierexperimentator macht einen Versuch mit 150 Mäusen, die verbrannt oder Ratten, die gegen eine Wand geschmettert werden, um deren Verletzungen zu studieren. Wenn er denen allen eine Dosis Schmerzmittel geben wollte, die zu ihrem Körpergewicht passt, dann müsste er 150 Tiere zuerst genau wiegen, dann für jedes einzelne die richtige Menge Schmerzmittel ausrechnen und ihm die dann einzeln eingeben. Stell Dir einmal vor, wie viele Stunden das dauern würde. Und Schmerzmittel wirken oft nur wenige Stunden. Sie müssten den Tieren also mehrmals täglich eingegeben werden.

 

Der Einfachheit halber schüttet man Mäusen und Ratten, wenn sie überhaupt Schmerzmittel bekommen, das Medikament einfach ins Trinkwasser. Dann kann man sagen, man hätte ihnen Schmerzmittel gegeben. Ob die Tiere es auch getrunken haben, ist dabei gleichgütlig.

 

Überleg bitte mal, was dabei noch ein Problem ist. Richtig! Es werden mehrere Tiere in einem Käfig gehalten. Die einen Ratten sind leicht, die anderen schwer, die dritten mittelschwer usw.. Einige Mäuse trinken viel, andere wenig, wie wir Menschen auch. Und einige Ratten oder Mäuse haben so große Schmerzen, dass sie überhaupt nicht trinken. Das kennst Du sicher von anderen Tieren oder Menschen - Appetit- oder Durstlosigkeit, weil es einem sehr schlecht geht. Die Tiere, die sehr große Schmerzen haben, bekommen also oft überhaupt keine Schmerzmittel.

 

Tierquälerei - trotz Schmerzmitteln

 

So, nun hast Du viel über Schmerzmittel bei Tierversuchen gelernt.

 

Ganz wichtig ist aber noch Folgendes:

Auch wenn die Tierexperimentatoren die Schmerzmittel richtig geben würden, leiden die Tiere. Hast Du schon einmal gesehen, wie Tiere sich verhalten, wenn sie eine Narkose vor einer Operation bekommen? Manche zittern und taumeln, andere erbrechen, die dritten bekommen Krämpfe oder schnappen nach Luft. Und beim Aufwachen nach der Operation geht das ganze dann noch einmal los.

 

Man kann Tieren ja nicht erklären, was gerade mit ihnen geschieht. Deshalb haben sie auch beim Tierarzt oft Angst. Auch wenn der ihnen wirklich helfen und nicht nur grausame Versuche mit ihnen machen will.

Die Tiere im Labor haben noch mehr Angst. Sie haben ja keinen netten Besitzer, dem sie vertrauen können.

 

Schließlich muss man auch noch daran denken, dass ja niemand die Tierexperimentatoren bei ihrer Arbeit kontrolliert. Was sie wirklich mit den Tieren machen, sieht niemand. Auf einen Zettel zu schreiben, dass man Schmerzmittel ins Trinkwasser gegeben hat, ist leicht. Ob es wirklich gemacht wurde, ob die Tiere es getrunken haben und ob die Schmerzen weniger wurden, überprüft niemand. Schmerzmittel kosten Geld. Tierversuche sollen aber so billig wie möglich sein. Außerdem ist es mühsam, Schmerzmittel zu geben. Darum überrascht es uns nicht, dass viele Tiere überhaupt keine Schmerzlinderung bekommen.

 

Die Ärzte gegen Tierversuche finden es natürlich sehr traurig, dass so viele Tiere im Tierversuch noch nicht mal eine Schmerzbehandlung bekommen. Tierversuche sind aber immer grausam. Stellt Euch ein Leben im Laborkäfig und dann eines in Freiheit vor. Die Tiere haben keine gemütlichen Schlafplätze sondern leben auf Drahtgittern und Fliesen. Und sie haben keine Menschen, die sie schützen und denen sie vertrauen können.

 

Die Ärzte gegen Tierversuche wollen, dass Tiere überhaupt nicht mehr mit Tierversuchen gequält werden dürfen, denn Schmerzen sind nur ein Teil der Grausamkeiten, die Tieren im Tierversuch zugefügt werden.

 

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Prüfe Dein Wissen:

 

1. Erkläre ganz kurz, was verfeinern, vemindern und ersetzen bei Tierversuchen bedeutet.

 

2. Was wird ein Mensch über Tiere denken, der zum Beispiel Hunden tagsüber bei seiner Arbeit Schmerzen zufügt und zuhause mit seinem eigenen Hund spielt?

 

3. Erkläre kurz, was die Tierexperimentaoren an den 3 R gut finden und warum die Tierversuchsgegner nichts davon halten.

Harry hilft Tieren ist ein Projekt von Ärzte gegen Tierversuche e.V.