Kontakt       Impressum       Datenschutz

Zell-, Gewebe- und Organkulturen

 

Um lebende Zellen von Menschen zu erhalten, kann man Zellen vermehren, die jemandem bei einer Operation entfernt worden sind. Das kann etwas von der Leber, der Lunge, der Haut, von Knochen, Blutgefäßen, Gehirn oder anderen Körperteilen sein. Damit lassen sich Organteile des menschlichen Körpers im Reagenzglas »nachzüchten«. Man kann Haut mit ihren unterschiedlichen Schichten und sogar mit Leberflecken züchten. Auch Herz-, Leber- und Knorpelgewebe oder Blutgefäße kann man im Labor »zusammenbauen«. Solche nachgezüchteten Körperteile von Menschen empfinden keine Leiden, reagieren bei Untersuchungen aber menschenähnlicher, als Tiere.

 

Beispiel Hauttest auf ätzende Wirkung:

 

Nachdem man Meerschweinchen das Fell abrasiert hat, gibt man die Prüfsubstanzen auf ihre Haut. Foto: PeTA

 

Im Tierversuch rasiert man Kaninchen oder Meerschweinchen und gibt Substanzen auf ihre Haut, um zu sehen, welche Verletzungen dadurch entstehen. Bereits das Scheren verursacht bei den Tieren Angst und Stress. Zusätzlich müssen sie die Schmerzen durch Verätzungen der Haut aushalten. Manche Chemikalien durchdringen die Haut und vergiften das Tier innerlich.

 

 

 

 

Tierversuchsfrei: Weil Tierhaut anders aufgebaut ist, als menschliche Haut, zum Beispiel haben Tiere ja Fell, sind die Ergebnisse der Tierversuche nicht auf die Verhältnisse beim Menschen übertragbar. Mit gezüchteter menschlicher Haut kann man viel genauer untersuchen, wie sehr Stoffe die Haut zerstören und ob sie ins Innere des Körpers eindringen.

 

 

Beispiel Lichtempfindlichkeitstest:

 

An diesen Hautzellkulturen kann die ätzende Wirkung von Substanzen getestet werden.Foto: Ärzte gegen Tierversuche

 

Manche Stoffe, z.B. Cremes oder Medikamente, erhöhen die Lichtempfindlichkeit der Haut, so dass Sonnenstrahlen sie leichter verbrennen und sogar Hautkrebs verursachen können. Um diese Wirkung zu untersuchen, gibt man Mäusen, Ratten, Meerschweinchen oder Kaninchen solche Substanzen und bestrahlt danach ihre rasierte Haut mit UV-Licht. Dies wird "Phototoxizitätstest genannt (»photos« kommt aus dem Griechischen und bedeutet »Licht«, »Toxizität« kommt ebenfalls aus dem Griechischen und bedeutet »Giftigkeit«).

 

Tierversuchsfrei: Gezüchtete menschliche Haut lässt sich mit Substanzen, die man prüfen möchte, behandeln und dann mit UV-Licht bestrahlen. Dieser Zellkulturtest gibt die Reaktion beim Menschen viel besser wieder, ist also sicherer als Tierversuche. Außerdem ist er billiger und funktioniert schneller.

 

Beispiel Krebstest:

 

Computer können unzählige Daten vergleichen und speichern und sie können z.B. die Wirkung von Medikamenten berechnen. Natürlich kann man sie mit anderen Methoden kombinieren. Foto: Bernd Elmenthaler

 

Um auszuprobieren, ob etwas krebserregend ist, testet man es an Tieren: zum Beispiel Farben, Sprays, Medikamente, Kartoffelchips, Aromastoffe in Lebensmitteln, Fußbodenbeläge, Geschmacksverstärker, die Strahlung von Handys - also eigentlich alles, womit Menschen in Berührung kommen. Man dachte früher Asbest, ein Stoff, der beim Hausbau benutzt und auch in Kindergärten und Schulgebäuden verwendet wurde, sei nicht krebserregend.

Man hatte ihn nämlich an Ratten ausprobiert und die können davon 300-mal mehr vertragen als Menschen! Deshalb ging man lange Zeit leichtsinnig mit Asbest um. Viele Menschen erkrankten deshalb an Krebs. Erst als man diejenigen Menschen, die mit Asbest arbeiteten, genauer beobachtete und untersuchte (solche Untersuchungen heißen »epidemiologische Studien«), stellte man fest, dass Asbest stark Krebs erregend ist.

 

Tierversuchsfrei: Krebsverursachende Wirkungen können besser in Zellkulturen getestet werden. Wenn Stoffe krebserregend sind, wachsen die ursprünglich gesunden Zellen, einfach ausgedrückt, nicht mehr regelmäßig, sondern vermehren sich sehr stark und wachsen »kreuz und quer«.

Aber auch Mittel zur Krebsbehandlung kann man tierversuchsfrei erforschen. Computerchips werden dazu mit vielen verschiedenen Röhrchen versehen. In diesen Röhrchen verteilt man Zellen der verschiedenen Organe von Menschen, z.B. Leberzellen, Darmzellen, Gehirnzellen usw.. Dann gibt man eine Flüssigkeit hinzu, die diese Zellen am Leben erhält. Man kann dann die Vorgänge, die sich in den Röhrchen mit den Zellen darin abspielen, beobachten. Nun kann man zusätzlich Medikamente gegen Krebs in die Röhrchen geben und so testen, was mit den Zellen passiert. Auf diese Weise lassen sich Medikamente gegen Krebs an den Zellen prüfen, für die sie später bestimmt sind, das sind nämliche menschliche Zellen und nicht künstlich krank gemachte Tiere.

 

Beispiel Schleimhautverträglichkeitstest:

 

Für den Draize-Test nimmt man Kaninchen, weil sie wenig Tränenflüssigkeit und große Augen haben, weil sie leicht zu handhaben und billig in der Haltung sind. Foto: Ärzte gegen Tierversuche

 

Beim grausamen Draize-Test (dieser Test ist nach seinem Erfinder, dem Forscher Draize, benannt), werden Kaninchen Chemikalien, Haushalts- und Kosmetikprodukte in die Augen getropft. Untersuchungen haben ergeben, dass dieser Test sehr ungenau ist, denn ein und dieselbe Substanz verursacht oft völlig unterschiedliche Schäden an den Augen der Kaninchen.

 

 

 

Tierversuchsfrei: Stattdessen kann man die Testsubstanz auf die Aderhaut bebrüteter Hühnereier auftragen und beobachten, welche Schäden dadurch entstehen. Da diese Aderhaut nicht schmerzempfindlich ist, ist es besser diesen »HET-CAM-Test« (nach den Anfangsbuchstaben des Tests benannt: Hen's Egg Chorionallantoic Membrane Test) durchzuführen, als Kaninchen die Augen zu verätzen. Doch es gibt auch die Möglichkeit, ähnlich wie bei der Haut, menschliche Schleimhautmodelle zu züchten. Solche Methoden sind natürlich am besten, da hierfür überhaupt keine Tiere benötigt werden und die Aussagekraft für uns Menschen am größten ist. Man kann nach dem gleichen Prinzip noch viele andere Gewebe züchten und so Forschung im Bereich der verschiedensten Krankheiten durchführen.

 

Die Aderhaut eines Hühnereis hat keine Nerven und empfindet daher auch keine Schmerzen. Foto: Altex

 

 

----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

 

Prüfe Dein Wissen:

 

1. Was ist ein Problem bei Hautverträglichkeitstests an Tieren?

 

2. Erkläre, wie tierfreie Krebsforschung ablaufen kann.

 

3. Erkläre mit eigenen Worten, wie der Het-Cam-Test funktioniert.

 

Harry hilft Tieren ist ein Projekt von Ärzte gegen Tierversuche e.V.